Kunsträume
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Aktuell

Ausstellung | Nr. 73

Filib Schürmann

4.3. – 15.4.2017

 

… vergangene Momente
alte Träume die wiederkehren
oder frische
wie jene die gerade vergehen
oder Dinge
Dinge immer wieder
und Erinnerungen …

aus: Samuel Beckett, «Wie es ist»


Filib Schürmann (*1976) ist ein obsessiver Zeichner. In seinen grossformatigen Blättern umkreist er die ewigen Fragen nach der menschlichen Existenz, dem Sinn des Lebens, der Suche nach Identität. Nicht zufällig ist ihm Samuel Beckett eine wichtige Inspirationsquelle. Was nun grandios verkopft klingt, kommt mit einer Leichtigkeit daher, die verblüfft. Den Beginn einer Zeichnung markieren Pinselspuren, Tropfen, Falten auf dem Papier. Diese werden weitergesponnen, Farbflächen und Schraffuren kommen dazu, Text wird integriert, der aus der Nähe den gedanklichen Kosmos des Künstlers umreisst, aus der Ferne zum gestaltgebenden Element wird. Haben sich früher daraus Figuren konkretisiert, so erscheinen die aktuellen Arbeiten abstrakter. Keine klar umrissenen Dinge sind erkennbar, vielmehr ist es ein Rhythmus aus Farbe und Form, von Strich und Wort, die den Blick des Betrachters durch das Bild geleitet. Filib Schürmann überträgt Bewusstes und Unbewusstes in gleich unmittelbarer Art aufs Papier, ohne den Versuch das Tun seiner Hand zu kontrollieren. Daraus resultieren Blätter, die in ihrer Unmittelbarkeit widerstreitende Assoziationen wecken, sie sind anziehend, irritierend und erheiternd zugleich.

 

 

 

  • ohne titel, 2016, Acryl und Tusche auf Papier, 140x100cm

    ohne titel, 2016, Acryl und Tusche auf Papier, 140x100cm

  • das löschwasser aus meinen augen versickert im boden der realität (after six month), 2016, Acryl, Spray und Tusche auf Papier, 200x150cm

    das löschwasser aus meinen augen versickert im boden der realität (after six month), 2016, Acryl, Spray und Tusche auf Papier, 200x150cm

  • die ewige utopie, zeit heilt wunden… aus; lebensweg als testlauf, 2016

    die ewige utopie, zeit heilt wunden… aus; lebensweg als testlauf, 2016

  • stillstand an der front. innerer maskenball, 2015, Acryl und Tusche auf Papier, 140x100cm

    stillstand an der front. innerer maskenball, 2015, Acryl und Tusche auf Papier, 140x100cm

  • unsorgfältig aufgeräumtes schlachtfeld meiner gedanken (6), 2016, Acryl, Spray und Tusche auf Papier, 150x324cm

    unsorgfältig aufgeräumtes schlachtfeld meiner gedanken (6), 2016, Acryl, Spray und Tusche auf Papier, 150x324cm

  • Raumansicht oxyd

    Raumansicht oxyd

  • Raumansicht oxyd

    Raumansicht oxyd

  • Raumansicht oxyd

    Raumansicht oxyd

 

 

Vernissage:  
Samstag, 4. März 2017, 17.30 Uhr
Einführung durch Daniela Hardmeier, Kuratorin
Barbetrieb und Essen

 

Rahmenprogramm:  
Sonntag, 19. März 2017, 11.30 Uhr
Gespräch und Rundgang mit Filib Schürmann und Daniela Hardmeier
Anschliessend Suppe und Brot

 

Freitag, 31. März 2017, 19 Uhr
Die Kuratorin und der Künstler kochen

 

Dienstag, 4. April 2017, 19 Uhr
Markus Stegmann (Autor und Kurator) liest und erzählt aus «Frau Adnan sagt. 205 Minimalgeschichten»

 

Karfreitag, 14. April 2017, 19 Uhr
oxyd bleibt geschlossen

 

Samstag, 15. April 2017, 19 Uhr
geöffnet von 14 bis 17 Uhr

 

 

Pressestimmen

Packende Pinselspuren, ungelenke Wortkritzelei

Zum Auftakt ihrer kuratorischen Tätigkeit im Oxyd stellt Daniela Hardmeier den Zürcher Künstler Filib Schürmann vor. Beeindruckend seine expressive malerische Geste, die persönlicher Ausdruck existenzieller Zweifel ist.
Samuel Becketts (1906–1989) abgründige Texte über die Sinnlosigkeit des Lebens faszinieren Filib Schürmann. In seinen Bildern und Texten sucht der 41-jährige Zürcher Autor nach Antworten auf die niederschmetternde Botschaft des irischen Autors. Auf welcher Ebene seine Auseinandersetzung der Hoffnungslosigkeit erfolgt, ob auf identifikatorischer oder inspirierendstimulierender, bleibt dem Betrachter verborgen.

Schürmanns derzeit im Oxyd ausgestellten grossformatigen Bilder auf Papier erzählen ohnehin eine Geschichte, die weit entfernt scheint von Illusionslosigkeit und Zufälligkeit. Sie entstanden mit wenigen Ausnahmen 2016. Das ist bemerkenswert. Denn damit bleiben alle jene mehr zeichnerischen als malerischen «Monster»-Bilder ausgespart, die bis 2013 eine wichtige Gruppe bilden; sie sind bevölkert mit grimassierenden Kobolden, Masken und Geistern und werden begleitet von philosophierenden, autobiografisch gefärbten Texten.
In den der Art brut verwandten Arbeiten mag Schürmann private Dämonen bannen. Vielleicht ist der Absolvent der Luzerner Hochschule für Gestaltung und Kunst aber auch mit der surrealistischen Innerlichkeit der Innerschweiz in Berührung gekommen. Eine reich illustrierte Publikation in der Reihe «Collection Cahiers d’Artistes (2015)» dokumentiert diese Werkphase sehr eindrücklich.

Lustvolle Spritzer und Kleckse
Nun also die Oxyd-Selektion von sechzehn grossen Arbeiten auf Papier. Aus Distanz betrachtet, glaubt man einem anderen Künstler zu begegnen. Einem, dem die malerische Geste ganz wichtig geworden ist – als eine finale Setzung in einem Malprozess, der ganz unterschiedliche Aktivitäten und Ausdrücke einschliesst und dabei eine beeindruckend spannungsvolle räumliche Komposition erschafft, die sich dem Auge beinahe als eine skulpturale Erscheinung darbietet. Im Einsatz von geschlossenen Flächen bis zu schraffierten Zonen, die sich vielfach überlagern, gegeneinander verschoben sind und an Collagen erinnern, besticht wiederum die Souveränität einer differenzierten malerischen Praxis. Kein Zagen und (Ver-)Zweifeln spürt der Betrachter, im Gegenteil: Da wird expressive abstrakte Malerei leidenschaftlich zelebriert, in wässrigen Pinselspuren, die sich mit der Farbe des Grundes vermischt, in tänzerischen Spritzern, lockeren Geflechten, lustvollen Klecksereien, die über ruhige Zonen hinweghuschen; dann die linearen Bogen, die Brücken schlagen, chaotische Wirbel eingrenzen und den drohenden Zerfall im letzten Moment abwenden. Das ist Drama pur, über das sich die Farben wie Einzelstimmen legen: Rosa, Giftgrün, Weinrot, Ocker, Braun, Lila, oftmals sehr wässrig aufgetragen, während die schwarzen Felder räumliche Tiefe simulieren.

Kontrapunkt
Beim Nähertreten erst erfasst das Auge den Kontrapunkt, den Bruch. Es ist, als hätte der Maler wieder dem Zeichner und Cartoonisten von einst das Feld räumen müssen. Die alten Gespenster tauchen wieder auf, die Schrift kritzelt sich ungelenk durch die Malerei, breitet das Repertoire existenzieller Stolpersteine aus, während Miniszenen im Cartoonstil Verlorenheit und Zweifel suggerieren. Die Farbwirbel artikulieren den inneren Sturm und das Gedankenchaos, auf die auch die Bildtitel hinweisen, indes packender. Geglückt ist die sparsame Hängung der Hoch- und Querformate durch den Künstler und die neue Kuratorin Daniela Hardmeier, die hier ihre erste Ausstellung präsentiert («Landbote » vom 6. März). Sie macht diese Werkschau zum Ereignis.

 

ADRIAN MEBOLD, Der Landbote vom 11. März 2017

 

 

 

Weitere Informationen als Download (zip)

 

 

 


iifall Kunst + Bar + Essen

jeden 15. im Monat um 19:00 Uhr

 

15. April fällt iifall aus (Ostersamstag)

 

Montag 15. Mai Saxophone und Wasser
Jürg Gasser und Jonas Labhart Musik
Brigitt Lademann Konzept und Installation

Musik sehen
Optisches und Akustisches werden in dieser Arbeit eng verknüpft

 

Vorschau iifall Nr.3

 

 

In ihre sich stetig wandelnde Installation lädt die Künstlerin Brigitt Lademann Gäste aus verschiedenen Kunstsparten ein:

 

15. Juni Hanna Sathiapal; Wissenschaft und Sterne

15. September Béatrice Jaccard, Tanz und Wolken

15. Oktober Norbert Möslang, geknackte Alltagselektronik

15. November Christine Bänninger, Performance und Algen

 

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Ausstellung | Nr. 74

Tine Edel | Elisabeth Nembrini | Annette Pfister | Bruno Steiner | Herbert Weber | Bignia Wehrli |
Temporäre Ablagerungen und fixierte Momente

13.5. – 25.6.2017

 

 

 


Öffnungszeiten

Freitag: 14 bis 17 Uhr
Samstag: 14 bis 17 Uhr
Sonntag: 11 bis 16 Uhr
oder nach Vereinbarung
Karfreitag, 14.4.2017 geschlossen
Samstag, 15.4.2017 geöffnet

 

oxyd Kunsträume

beim Bahnhof Winterthur Wülflingen
Wieshofstrasse 108
8408 Winterthur
Telefon 052 316 29 20

 

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