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Aktuell

Ausstellung | Nr. 72

Habib Asal | Gianin Conrad | Sarah Hablützel | Markus Lichti | Max Philipp Schmid | Noëmie Stähli | Stefan Wegmüller | Cecile Weibel |
«Grosse Mythen – Kleine Mythen»

5.11. – 18.12.2016

Vorschau Einladung 72

 

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In der Gegenwartskunst dominieren heterogene und hybride Formfindungen sowie das Sampeln von divergentem Text-, Sound- und Bildmaterial, welches im besten Fall in neue und werkimmanent plausible Zusammenhänge gebracht wird. Besonders die erzählerische Struktur in Videos ermöglicht mittels Begriffen, Klängen und Bildern eine Kette von Ursachen und Wirkungen sowie Absichten und Motiven herzustellen. Dieses Verfahren korrespondiert mit Techniken der Werbung: Um Produkte mit einer spezifischen Aura aufzuladen, werden sie in schillernde und «neomythische» Erzählungen eingebettet, welche durch eingängige Formulierungen und effektvolle Optiken vermittelt werden.
Die Gruppenausstellung #72 (Gastkuratorin Joëlle Menzi) versammelt künstlerische Positionen, welche mit vertrauten Motiven sowie begrifflichen Suggestionen spielen. Als Lesehilfe und theoretischer Fluchtpunkt dienen die Mythen des Alltags von Roland Barthes. In seinem Frühwerk reflektiert Barthes die Wirkungsmacht kollektiver Bilder und Erzählungen in kulturellen Phänomenen der konsumistischen Nachkriegsgegenwart.

 

 

  • Cecile Weibel, «About Witchcraft and Capitalism», 2015

    Cecile Weibel, «About Witchcraft and Capitalism», 2015

  • Sarah Hablützel, «Speech», 2016

    Sarah Hablützel, «Speech», 2016

  • Stefan Wegmüller, «Mènadè bal püki bàl!», 2015,  (Detail)

    Stefan Wegmüller, «Mènadè bal püki bàl!», 2015, (Detail)

 

 

Vernissage:  
Samstag, 5. November 2016, 17.30 Uhr
Begrüssung durch Joëlle Menzi, Gastkuratorin
Kleiner Stimmungs-Atlas in Einzelbänden – eine Präsentation des Hamburger Textem Verlages mit unterschiedlichen Elementen und Armin Chodzinski.

 

Rahmenprogramm:  
Sonntag, 4. Dezember 2016, 11.30 Uhr
Mythendämmerung und Kunstblitzerei: Ein kulturtheoretisches Vermittlungsprogramm mit Thomas Zacharias. Für die Kunsthalle Winterthur präsentiert er regelmässig den Kunstblitzer.

 

Finissage:  
Sonntag, 18. Dezember 2016, 11.30 Uhr
Finissage und Führung mit der Gastkuratorin Joëlle Menzi

Pressestimmen

KUNST Im Oxyd spüren acht Kunstschaffende den Mythen nach. Die Kuratorin Joëlle Menzi traf die Auswahl. Geglücktes steht einigen trockenen Lektionen gegenüber.

Joëlle Menzi liess sich bei der Gruppenausstellung «Grosse Mythen – Kleine Mythen» im Oxyd durch Roland Barthes’ «Mythen des Alltags» inspirieren. Der französische Strukturalist, selbst zum Mythos geworden, untersuchte vor rund fünfzig Jahren lustvoll, wie sich beispielsweise die Werbung klassische Bildmotive und Erzählungen aneignet und daraus populäre Mythen fabriziert. Als kommunikative Strukturen transportieren sie Rationales und Irrationales ohne sichtbaren Widerspruch. Darin sind sie der Kunst mit ihrem Hokuspokus verwandt, fügt man gerne ergänzend an.
Barthes’ aufklärerische Haltung grundiert die Schau mit acht Kunstschaffenden. Doch zunächst stösst man auf einige trockene Lektionen. Muss denn Kunst wirklich so langweilig wie eine vergleichende Seminararbeit sein?, fragt man sich gleich zum Auftakt bei der Doppelbeamerprojektion von Noëmie Stähli. Sie analysiert die beschreibende Sprache, die im Zeitalter des Kolonialismus Verwendung fand und heute die moderne Tourismuswerbung prägt. Der Unterschied ist klein, und deswegen steht die Tourismusindustrie unter dem Verdacht des Neo-Imperialismus.

Plakative Sprachkritik
Eine Form der Sprachkritik betreibt auch Stefan Wegmüller. Sein Interesse gilt einerseits der 1880 von einem deutschen Pfarrer entwickelten Welthilfssprache «Volapük» und andererseits der für Computer angestrebten Standardsprache. Verschwindet in diesem Prozess nicht das Lokale und Individuelle wie im Sog der Globalisierung?, fragt Wegmüller. Doch das herausfordernde Thema wird leider unattraktiv und plakativ visualisiert.
Seit es öffentliche Debatten gibt, weiss man, dass Politiker wie im Schlaf Worthülsen absondern und einstudierte Gesten wiederholen. Braucht es dazu auch noch die reduktionistische Audio- und Videoarbeit von Sarah Hablützel, die im Prinzip wiederum eine Klischeewahrheit reproduziert?
Ein sicher ebenso ertragreiches Recherchierfeld böte der Jargon der Kuratorenkaste. Die auf farbigen Zollstöcken basierenden Reliefs von Gianin Conrad sind zwar raffinierte Kabinettstücklein, doch der ironische Umgang mit Darstellungstechniken wie der Perspektive nutzt sich in der Wiederholung erstaunlich rasch ab.

Versichert verunsichert
Hingegen lohnt sich das Verweilen vor den verglasten Kästchen von Markus Lichti. Darin wird ein mit dem Logo der Axa France versehenes, zweimal gefaltetes Briefpapier präsentiert, das der Künstler im Abfall entdeckt haben will. Er verwendet es als Träger seiner lakonischen Poesie. «Ein Baum / der nicht gefällt / wird gefällt», ist da etwa zu lesen. Wie traurig. Keine Versicherung hilft dem Baum oder den Menschen gegen die Verunsicherung und Zufälligkeiten des Lebens. So wunderbar leicht kann das Dekonstruieren von Mythen sein. Gleich daneben spielt Habib Asal mit Referenzen und Assoziationen, die Themenfelder wie die Kunstpraxis, die Flüchtlingstragik und die Schweiz als Land der Schokolade berühren. Zum Beispiel in seiner Bodenarbeit, die aus in goldenen Wärmefolien eingewickelten Tafeln besteht. Ihre Inszenierung in einer Ecke deutet subtil auf Marginalisierung und Verdrängung.

Paradies und Vorgartenelend
Das schöne Kabinett mit Oberlicht wurde Cecile Weibel für eine an Kultstationen erinnernde Installation zur Verfügung gestellt. Trockene Grapefruits mit auftätowierten Zeichen bilden das Zentrum auf einer dunklen Holzplatte. An den Wänden hängen Bildtafeln, auf denen Mythen zu Mensch, Welt und Kosmos im Stile des Mittelalters und der Renaissance dargestellt sind. Die zwischen Spirituellem und Spiritualistischem schwankende Mehrdeutigkeit dieser Arbeit steht im scharfen Kontrast zu einer sonst auf Rationalität getrimmten Gesellschaft.
Eigentlich böte sich diese Kammer für eine rituelle Performance an, die das Spannungsfeld zwischen Kult und Alltag auslotet. Wie immer hat das Oxyd-Team seine Infrastruktur den Bedürfnissen der Ausstellenden angepasst. Besonders gilt das für Max Philipp Schmid. Für dessen grossartiges Video «Paradies» hat Andy Fritschi einen perfekten Vorführraum gezimmert. Gebannt folgt man dem von psychedelischen Klängen begleiteten rhythmischen Wechsel von exotischem Grün in einer Orangerie und Vorgartentristesse, die das Wuchernde und Lebendige in die Form der abgezirkelten Geometrie zwingt.
Joëlle Menzi, die als Assistentin in der Kunsthalle arbeitet und dort kuratorische Erfahrung beim Einrichten von Dezemberausstellungen gesammelt hat, musste für die Ausstellung innert kurzer Zeit eine Auswahl von Kunstschaffenden treffen, die zum ambitionierten Thema passen.

Von den Eingeladenen wirken die meisten im Grossraum Zürich/ Winterthur und zählen zur jüngeren Generation. Die Vielfalt der Präsentationformen und Medien macht diese Gruppenschau zu einer bei allen Vorbehalten interessanten Ergänzung zur Dezemberausstellung im Kunstmuseum. Dort fehlen nicht nur junge Künstler, sondern auch Installationen und Videos.

 

ADRIAN MEBOLD, Der Landbote vom 12. November 2016

 

 

 

Weitere Informationen als Download (zip)

 

 

 


iifall 15. | im Dezember

Knuth und Tucek kommen zur Bescherung

15.12.2016 ab 18 Uhr

Nicole Knuth und Olga Tucek schmücken die Tanne, behängen uns mit Girlanden, dekorieren den Tisch, singen Lieder vom Nikolaus, dem Christkind und Engeln. Kochen lassen wir lieber Toni. All das wird ein formidables Weihnachtsfest.
Nur als Packet für Fr. 83.– erhältlich, inklusive Schmaus mit Weihnachtsbohnen, entsprechender Gans und anderem. Wir bitten um Anmeldung bis 10. Dezember: info@oxydart.ch.

 

Vorschau iifall Nr.3

 

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iifall

Leben, so der Philosoph Henry James, ist Inklusion und Konfusion. Alles gehört dazu, alles ist durcheinander. Kunst hingegen, so fährt James fort, bedeutet Unterscheidung und Auswahl. Und zwar immer wieder von Neuem. Denn wenn wir neu unterscheiden und neu auswählen, dann fällt uns auch Neues ein, und wir finden zu überraschenden Eindrücken und Urteilen über uns und unser Leben. iifall, das ist der neue Dreh- und Angelpunkt von oxyd. Ein grosser Tisch in einem Raum, in dem sich die Wege zwischen den Stockwerken und Ausstellungen kreuzen. Hier tafeln wir, hier träumen wir, hier denken wir. Mit immer neuen Einfällen.

iifall heisst, dass einmal im Jahr eine Künstlerin, ein Künstler, die Konfusion des Lebens in eine je eigene Form bringen und dafür den Dreh- und Angelpunkt umgestalten wird. Den Einfällen setzt nur die Statik Grenzen, wie auch der Tisch, der samt ein paar Dutzend Stühlen immer stehen bleiben wird. Drumherum ist alles möglich.

iifall steht jedes Jahr unter einem neuen Motto, einer neuen Unterscheidung oder Auswahl. Unter diesem Motto und darüber hinaus wird der Raum samt grossem Tisch allen Tanzenden, Bauchredenden, Skizzierenden, Mimenden, Klebenden, Dudelden, Deklamierenden, Zeigenden, Singenden, Ringenden oder Philosophierenden zur Verfügung stehen, um uns mit immer neuen Einfällen zu weiteren Einfällen anzuregen.

 
iifall füllt Bauch, Herz und Kopf. An jedem 15. im Monat freuen wir uns über die Welten, in die uns die Künstlerinnen und Künstler entführen; wir geniessen mit ihnen am grossen Tisch das Menü unserer Köchinnen und Köche; laben uns an den Einfällen aller Gäste; heben zum Abschluss an der Bar die Gläser. Auf dass es so weiter gehen wird!.

 
iifall 15. heisst, wir treffen uns am 15. jeden Monats, welcher Wochentag es auch immer sein mag. Um 18.00 Uhr an der Bar zur Begrüssung. Um 19.00 Uhr im iifall-Raum zur Darbietung unserer Künstlerinnen und Künstler. Um 20.00 Uhr am grossen iifall-Tisch zum gemeinsamen Speisen. Um 22.00 Uhr zum Nachtisch wieder an der Bar. Nur im August bleiben die Tore geschlossen.

 
Bis auf iifall 15. im Dezember gilt:

iifall 15. Eintritt: Fr. 20.– (für Mitglieder Fr. 10.–)

iifall 15. Essen: Fr. 18.–

 

 

iifall 15. im Dezember: Knuth und Tucek kommen zur Bescherung
Donnerstag, 15. Dezember 2016
ab 18 Uhr
Nur als Packet für Fr. 83.– erhältlich, inklusive Schmaus mit Weihnachtsbohnen, entsprechender Gans und anderem. Wir bitten um Anmeldung bis 10. Dezember: info@oxydart.ch.
Nicole Knuth und Olga Tucek schmücken die Tanne, behängen uns mit Girlanden, dekorieren den Tisch, singen Lieder vom Nikolaus, dem Christkind und Engeln. Kochen lassen wir lieber Toni. All das wird ein formidables Weihnachtsfest.

 

 


Ausstellung | Nr. 73

Filib Schürmann

4.3. – 15.4.2017

 

… vergangene Momente
alte Träume die wiederkehren
oder frische
wie jene die gerade vergehen
oder Dinge
Dinge immer wieder
und Erinnerungen …

aus: Samuel Beckett, «Wie es ist»


Filib Schürmann (*1976) ist ein obsessiver Zeichner. In seinen grossformatigen Blättern umkreist er die ewigen Fragen nach der menschlichen Existenz, dem Sinn des Lebens, der Suche nach Identität. Nicht zufällig ist ihm Samuel Beckett eine wichtige Inspirationsquelle. Was nun grandios verkopft klingt, kommt mit einer Leichtigkeit daher, die verblüfft. Den Beginn einer Zeichnung markieren Pinselspuren, Tropfen, Falten auf dem Papier. Diese werden weitergesponnen, Farbflächen und Schraffuren kommen dazu, Text wird integriert, der aus der Nähe den gedanklichen Kosmos des Künstlers umreisst, aus der Ferne zum gestaltgebenden Element wird. Haben sich früher daraus Figuren konkretisiert, so erscheinen die aktuellen Arbeiten abstrakter. Keine klar umrissenen Dinge sind erkennbar, vielmehr ist es ein Rhythmus aus Farbe und Form, von Strich und Wort, die den Blick des Betrachters durch das Bild geleitet. Filib Schürmann überträgt Bewusstes und Unbewusstes in gleich unmittelbarer Art aufs Papier, ohne den Versuch das Tun seiner Hand zu kontrollieren. Daraus resultieren Blätter, die in ihrer Unmittelbarkeit widerstreitende Assoziationen wecken, sie sind anziehend, irritierend und erheiternd zugleich.

 

 

 

  • «das löschwasser aus meinen augen versickert im boden der realität (after six month)», 2016

    «das löschwasser aus meinen augen versickert im boden der realität (after six month)», 2016

  • «ein glanzpunkt. von der realität in den schatten gestellt», 2016

    «ein glanzpunkt. von der realität in den schatten gestellt», 2016

  • ohne worte, 2016

    ohne worte, 2016

  • «unsorgfältig aufgeräumtes schlachtfeld meiner gedanken (1)», 2016

    «unsorgfältig aufgeräumtes schlachtfeld meiner gedanken (1)», 2016

  • «stillstand an der front. innerer maskenball», 2015

    «stillstand an der front. innerer maskenball», 2015

 

 

 


Öffnungszeiten

Freitag: 14 bis 17 Uhr
Samstag: 14 bis 17 Uhr
Sonntag: 11 bis 16 Uhr
oder nach Vereinbarung

 

oxyd Kunsträume

beim Bahnhof Winterthur Wülflingen
Wieshofstrasse 108
8408 Winterthur
Telefon 052 316 29 20

 

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