oxyd Kunsträume | Ausstellung | Nr. 42

29.1. – 28.3.2010

Jürg Benninger | Monika Feucht | Sonja Friedrich | Adelheid Hanselmann | Katharina Rapp | Luca Schenardi

«Subjekt = Objekt = Subjekt»

Kurator: Peter Killer

Vernissage: Freitag, 29.1.2010

ab 18.00 Uhr, Apéro-Bar

19.00 Uhr, Ausstellungseröffnung durch Peter Killer, Kurator der Ausstellung

Danach und zwischendurch: Suppe CHF 15.-, oxydfladen, Tee, Kaffee, Wein, Mineralwasser

Rahmenprogramm:

oxydinner: Freitag, 12.3.2010

Essen am langen Tisch verbindet Kunst und Kochkunst in einer einmaligen, gegenseitigen Feinabstimmung. Eine Platzreservierung im Voraus ist unerlässlich. Details und Reservation hier.

Führung: Sonntag, 31.1.2010

11.15 Uhr

Kunstgespräch mit Adelheid Hanselmann

Führung: Sonntag, 7.2.2010

11.15 Uhr

Kunstgespräch mit Sonya Friedrich

Führung: Sonntag, 14.2.2010

11.15 Uhr

Kunstgespräch mit Adelheid Hanselmann

Führung: Sonntag, 21.2.2010

11.15 Uhr

Kunstgespräch mit Katharina Rapp

Führung: Sonntag, 28.2.2010

11.15 Uhr

Kunstgespräch mit Luca Schenardi

Jazz-Matinee: Sonntag, 7.3.2010, ab 11.30 Uhr

Wieni Keller Trio mit Werner „Wieni“ Keller (Clarinet), Roberto Bossard (Guitar), K.T. Geier (Bass)

Führung: Sonntag, 7.3.2010

11.15 Uhr

Kunstgespräch mit Katharina Rapp

Führung: Sonntag, 14.3.2010

11.15 Uhr

Kunstgespräch mit Monika Feucht

Sonntags-Matinee: Sonntag, 21.3.2010, ab 11.30 Uhr

mit den Roland Fink Singers

Führung: Sonntag, 21.3.2010

11.15 Uhr

Kunstgespräch mit Katharina Rapp

Finissage: Sonntag, 28.3.2010

11.00 Uhr, Kunstgespräch und Rundgang durch die Ausstellung mit dem Künstler Jürg Benninger.

Vorschau Einladung

Zur Ausstellung

Die Ausstellung beginnt mit im ganzen Eingangsgeschoss installierten Werken der Winterthurer Künstlerin Katharina Rapp, die seit Jahren zum oxyd-Team gehört. Katharina Rapp ist Malerin, Zeichnerin, Objektkünstlerin und noch viel mehr. Für mich gehört sie zu den grössten Staunerinnen, die ich kenne; sie geht mit offenen Augen durch die Welt, lässt sich überraschen, sieht Dinge, die andere übersehen, der Magie des Objektes mit Haut und Haaren verfallen.

In der Wikipedia gibt es einen 12'000 Zeichen langen Artikel zum Thema Sammeln. Mit keinem Wort ist erwähnt, dass viele Menschen materiell wertlose oder zumindest nicht wertvolle Dinge nach Hause tragen, sammeln, die ihnen schlicht gefallen, sie an-sprechen, in ihnen etwas zum Klingen bringen, sie berühren. Viele Künstlerinnen und Künstler haben ein ganz besonderes Sensorium für die Entdeckung des Lebendigen in der scheinbar unbelebten Objekt-Welt. Diese intimen «Museen» besagen über Künstlerinnen und Künstler oft ebenso viel wie ihre Werke.

Im Obergeschoss zeigen Jürg Benninger (Genf), Monika Feucht (Luzern), Sonya Friedrich (Solothurn), Adelheid Hanselmann (Olten) und Luca Schenardi (Luzern) neue Werke, die jeweils um den Pol von ihnen persönlich wichtigen Objekten herum präsentiert werden.

Peter Killer, Kurator

Zur Ausstellung erscheint ein Buch über Katharina Rapp.

 

 

Pressestimmen

 

Der Reiz von Strandgut und Luftmaschen

Subjekt = Objekt = Subjekt lautet der Titel der neuen Ausstellung in den Oxyd-Kunsträumen. Aber keine Angst: Sie ist viel sinnlicher, als die Gleichung suggeriert. Und endlich ist da eine Würdigung des Schaffens von Katharina Rapp.

Was sieht man in der Regel an Gruppenausstellungen von zeitgenössischen Kunstschaffenden? Jeweils so zwei, drei Bilder - wenns gut geht. (Einverstanden: In den Oxyd-Kunsträumen jeweils einige mehr). Meist zeigen die Werke eine Momentaufnahme aus dem Schaffen eines Künstlers, etwas aus einer gestreiften oder grünen Phase - oder auch nur etwas von vergangener Woche. Was wundernimmt, wer denn der Mensch hinter dem Werk ist und wie er seine Ideen entwickelt - damit halten Kuratoren wie Kunstschaffende meist hinter dem Berg. Peter Killer, der die aktuelle Ausstellung im Oxyd kuratiert hat, setzt nun genau hier ein. Er rückt mit einer sinnlichen Inszenierung den Schaffensprozess ins Zentrum der Ausstellung.
Mit Katharina Rapp, Jürg Benninger, Monika Feucht, Sonya Friedrich, Adelheid Hanselmann und Luca Schenardi hat der Kurator sechs Kunstschaffende im Oxyd zusammengebracht, die vor allem eins vereint: Sie sind leidenschaftliche Sammler. Nichts Wertvolles, was da angesammelt wird, aber alles Dinge, die für die Künstler eine ganz persönliche Bedeutung haben, die ihnen auf einem Waldspaziergang aufgefallen, ihnen bei einem besonderen Anlass in die Hände gefallen sind. An den Fundstücken, ihren Farben Formen, ihren rauen oder glatten Oberflächen entzünden sich später die Ideen für Kunstwerke.
Was die Künstler ausser ihrer Sammelleidenschaft eint: Sie stehen radikal zu ihrer Subjektivität, sie lassen sie in ihr Werk einfliessen. Künstler (Subjekt) und Werk (Objekt) sollen eins sein, meint Peter Killer. «Mir sind aber irgendwann Zweifel an diesem Satz von Subjekt und Objekt gekommen», räumt er ein. Was, räsoniert er, wenn die Herstellung eines Kunstwerks lange Zeit in Anspruch nimmt? Alles sei doch im Fluss - auch die Persönlichkeit eines Künstlers. Darum ist Killer auch auf die Idee verfallen, jeden Künstler einen Tisch gestalten zu lassen, ein intimes Museum sozusagen, das über den Menschen und sein ganzes Schaffen genauso viel erzählt wie das ausgestellte Werk.

Weggeworfen, wiederentdeckt
Beginnen sollte man den Rundgang im Untergeschoss, das Katharina Rapps Werk in stimmig arrangierten Ensembles präsentiert. Killer hat das Schaffen der Künstlerin, die seit Jahren zum Oxyd-Team gehört, mit viel Fingerspitzengefühl gesichtet und repräsentative Werkgruppen ausgewählt. Die aktuelle Ausstellung ist Rapps erste grosse Werkschau überhaupt.
Ihr Tisch mit persönlichen Gegenständen zeigt Strandgut, das sie am Strand in Hawaii aufgelesen hat, Verwaschenes, Verbogenes, Trümmer. Aber alles Dinge, welche die pure Faszination der Künstlerin an Farben und Formen verraten, ihr Staunen über die Vielfalt der Welt. In den Bildern an den Wänden rund um den Tisch äussert sich die Freude an der verborgenen Schönheit dieser Trouvaillen, Lebenslust sprudelt, und Mut auch, zu experimentieren, mit Ornamenten, verspielten Formen, kräftigen Farben. Schreitet man durch die Räume fort, so verändert sich die Stimmung - ganz am anderen Ende steht die Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod.
Rapp kennt keine Berührungsängste, sie arbeitet mit Stricknadeln und Wolle, mit Pappkartons, Stoffen, Papiermaché, sie malt, zeichnet, arrangiert. Unter ihren Händen verwandelt sich alles in ein Werk voller Poesie, worin sich ihre eigene Persönlichkeit ausdrückt, auf das der Betrachter aber auch individuell reagieren kann.

Umgarnter Betrachter
Mit «femininen» Techniken wie Häkeln arbeitet auch der Genfer Künstler Jürg Benninger, dessen «intimes Museum» mit Wackelkopfschweinchen und Fingerpuppen beweist, dass im Künstler das «Kind im Mann» überlebt hat - eins, das sich Zwängen verweigert und Freiheit sucht. Die Luftmasche fungiert hier als Chiffre für Unabhängigkeit von Konventionen.
Auch Monika Feucht benutzt für ihre Arbeiten einst als «weiblich» und daher als minderwertig taxierte Techniken. Sie stickt - oft mit menschlichem Haar. Dieses wird zwar mit Einverständnis der Spenderinnen verwendet, die Tatsache, dass hier mit menschlichen Hinterlassenschaft gearbeitet wird, hinterlässt aber doch einen ambivalenten Eindruck.
Wirken dagegen die Zeichnungen der Künstlerin, die haarige Hinterköpfe oder Pelztassen zeigen, sinnlich und in positiver Hinsicht in ihrer Monumentalität verwirrend, kommen Adelheid Hanselmann und Luca Schenardi in der aktuellen Ausstellung eher spröde daher. Überraschend bei Schenardi, der oft Aggression thematisiert, ist seine Liebe zu Pflanzen und Vögeln.
Mit Natur setzt sich auch Sonya Friedrich auseinander. Ihr «Museum» ist ein Sammelsurium von Fundstücken aus Natur und Kultur; ein Gegensatz, den sie in ihren fragilen Kunstwerken zum Thema macht. Ihre Werke sind, wie viele Exponate in der Ausstellung, im Sinn des Ausstellungstitels ihrerseits wieder Subjekte geworden, weil sie zum einen die Person des Künstlers spiegeln, andererseits beim Betrachter Reaktionen hervorrufen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

 

CHRISTINA PEEGE, Der Landbote vom 2. Februar 2010

 

 

 

 

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