oxyd Kunsträume | Podium | Nr. 2
18.6. – 17.7.2011
Mike Cadurisch | Sabina Speich | Olga Titus
Zur Austellung
Von spielerischer Leichtigkeit, frech, experimentierfreudig, eigenwillig. Voller Gegensätze, zum Schmunzeln und Nachdenken anregend sind die Arbeiten der letzten Ausstellung vor der Sommerpause. Die drei Kunstschaffenden benützen dafür buntgemischt verschiedenste Darstellungsmöglichkeiten – Malerei, Fotografie, Videos, Installation und Objekte.
Pressestimmen
Pure Lust an der Kunst
Vor der Sommerpause präsentieren die Oxyd-Kunsträume in Wülflingen drei frisch-frech-fröhliche Positionen, die beweisen, dass gute Kunst nicht immer der strengen Miene bedarf, um ernstgenommen zu werden
Die zweite Podiumsausstellung mit Sabina Speich (*1966), Olga Titus (*1977) und Mike Cadurisch (*1977) wirkt so erquicklich wie ein Sprung ins kühle Nass bei sommerlichen Temperaturen. Die beiden Künstlerinnen stammen aus Winterthur (noch ohne See), Mike Cadurisch kommt aus Stäfa (mit See). Die drei Kabinetträume bilden sozusagen das Aquarium für drei quirlig-bunte Fische, die eine gehörige Portion Humor und eine Vorliebe für Wasser miteinander teilen.
Wer das Podium, das eigens als Plattform für Winterthurer Kunstschaffende ins Leben gerufen wurde, betreten will, muss sich schlucken lassen. Der Eingang zur Kabinettsausstellung ist ein grosses Fischmaul. Der Besucher landet sofort im unappetitlichen, da mit Müll verseuchten Bauch eines Goldfisches.
Die Installation von Sabina Speich fährt durch Mark und Bein. Der Herzschlag des Fisches durchdringt den höhlenartigen Raum. In den Magenfalten präsentiert uns die Künstlerin nicht nur strahlende (oder verstrahlte?) Fimo-Fischskelette unter einer schützenden Glashaube, sondern auch einige ihrer skurrilen Videos (zum Beispiel «Katze im Aquarium – Immer wenn ich nicht hinsehe, zieht meine Katze ihr Superfischtricot an»). Im Gegensatz zum biblischen Jona verlassen wir den Fisch durch den Hinterausgang und werfen noch einen Blick auf seinen orangefarbenen Schwanz, bevor wir uns per Schiff durch schwimmende Smileys rudern lassen.
Gute alte Zeiten
Mike Cadurisch nennt das Bild «Kennen sie das Lied vom Glück» (2011). Das Glück ist irgendwo in der Vergangenheit beheimatet. Persönliche Gegenstände und alte Fotos erinnern uns an die zerronnene Zeit. Wir kennen Dalís «Fliessende Uhren»; Cadurisch geht einen Schritt weiter und zeigt die Gegenstände (Minifernseher und Tonkrug) dreidimensional im Moment der erstarrten Verflüssigung.
Cadurisch kombiniert unbekümmert Elemente der Werbung, der Typografie, der Fotografie und der Pop-Art. Die Versatzstücke der heilen und heiteren Welt, wie sie sich unsere Konsum- und Freizeitgesellschaft vorstellt, wird subtil unterwandert: Kinder mutieren zu «Custom Kings», und der im Stil früher Tourismusplakate gemalte «Pile Wonder» ist eine Schrotthalde der (Auto-)Mobilität.
Mit der Ikonografie der Sehnsucht spielt auch Olga Titus. Sie erweitert den Begriff der Appropriation Art, indem Sie Werke anderer Künstler nicht nur kopiert, sondern materiell überarbeitet. Bilder von drittklassigen Künstlern, die der Kunstmarkt nicht will, landen meist aus Pietätsgründen nicht im Abfall, sondern im Brockenhaus, wo sie für ein Taschengeld erworben werden können. Für Olga Titus eine wahre Fundgrube, denn hier stranden kitschige Landschaftsdarstellungen, deren Wirkung sie durch künstlerische Eingriffe noch steigert oder dann geheimnisvoll verfremdet. Ihre «Manipulationen» bestehen meist darin, an der Oberfläche dieser schönen Bilder zu kratzen, um sie von hinten zu beleuchten oder durch ein kurzes Video-Loop zu animieren. Die landschaftliche Idylle mit weissen Ber¬gen und blauen Seen wird zum Teil durch eingeschmuggelte Muskelprotze ironisch aufgeladen und ausgereizt.
Selbstironie
Nun, was ist gute Kunst? Und wie ist man als Künstler erfolgreich? Im Video «Ideal Artist» kommentiert Titus mit flapsiger Piepsstimme das Kunstkarussell, nimmt alle gut gemeinten Erfolgsrezepte auf die Schippe und foutiert sich um das perfekte Layout. So viel Selbstironie zeugt von künstlerischer Souveränität. Wem das zu wenig lustvoll ist, der kann immer noch in die Badi gehen.
LUCIA ANGELA CAVEGN, Der Landbote vom 23. Juni 2011
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