oxyd Kunsträume | Ausstellung | Nr. 36
27.2. – 29.3.2009
Eckhard Froeschlin | Velimir Ilisevic
«Sinnbilder»
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Zur Austellung
Velimir Ilisevic *1965 in Stein a. Rhein
In seiner Malerei stellt Velimir Ilisevic authentische Zeichen seiner eigenen Gedanken und Erlebnisse dar. Diese wandeln sich innerhalb eines breiten Spannungsfeldes zwischen Erinnerungen, Alltagsgegenständen, Natur oder politischer Aktualität. Der Künstler arbeitet oft in Serien und er treibt dabei die Auflösung der anfänglich festen Formen in verschiedenen malerischen Prozessen soweit wie möglich voran, ohne dass schlussendlich das Essentielle der Aussage verloren geht. Velimir Ilisevic gelingt es damit grosse, einfache Sinnbilder zu schaffen.
Eckhard Froeschlin *1953 in Tettnang / Deutschland
Der Künstler greift in seinen Arbeiten vorrangig existentielle Themen auf, die er in unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen darstellt. Eine immer wiederkehrende Metapher ist das Boot, das einerseits als Sinnbild für Überfahrt und Transformation steht, anderseits aber auch das Ringen mit den Elementen und mit sich selbst kennzeichnet. Die Pastellkreide ist seit über 20 Jahren Eckhard Froeschlins bevorzugtes Malmittel. Seiner Meinung nach „das intensivste das möglich ist.“ Zu sehen sind im weiteren bemalte Aluminiumfiguren. Der Künstler schafft sich damit die Möglichkeit Malerei und Plastik im dreidimensionalen Raum zu verbinden.
Als Ergänzung zur Ausstellung im oxyd zeigen die beiden Künstler bis 15.03.2009 unter dem Titel „Zeichen zeigen“ einen weiteren Aspekt ihres Schaffens im Kunstmuseum Singen, Deutschland. Siehe dazu: www.kunstmuseum-singen.de
Anlässlich der Ausstellungen erscheint zu beiden Künstlern ein Katalog.
Pressestimmen
Sinn und Sinnlichkeit in Farbe
«Sinnbilder» heisst die neue Ausstellung in den Oxyd-Kunsträumen. Velimir Ilisevic und Eckhard Froeschlin bespielen die Räume mit einer gelungenen Auswahl von eigenen Werken, die einen Dialog zu existenziellen Themen führen.
WINTERTHUR - Zunächst scheinen die beiden Künstler ja wenig gemeinsam zu haben: Velimir Ilisevic (*1965 in Sisak/Kroatien, lebt in Stein am Rhein) und Eckhard Froeschlin (*1953 in Tettnang, lebt bei Schwäbisch Hall) reagieren ganz unterschiedlich auf ihre Umgebung - der eine mit Malerei, der andere mit Pastell und bemalten dreidimensionalen Werken. Dennoch verbindet die beiden die Intensität im Umgang mit der Malerei, die Dichte und die Vielschichtigkeit.
Beide Künstler gehen von visuellen Eindrücken aus, die sie von ihrer Umgebung empfangen, beide verdichten diese Eindrücke zu Sinnbildern, zu existenziellen Zeichen. Während Froeschlin aber figurativ arbeitet, löst Ilisevic seine Eindrücke in steter Verwandlung zu Zeichen auf. Was ist noch malbar? lautet die Grundfrage seines Werkes. Was kann man mit der Malerei zeigen, was bisher so noch nie gezeigt wurde? Eine schwierige Frage insofern auch, weil Ilisevic von Seegras ausgeht, von Baumstrünken, Fischen, Katzen, Häusern. Doch abstrahiert er sie zu Zeichen, die er - befreit von ihrem Ursprung - weiter manipulieren, sie zu neuen Sinneinheiten zusammenfügen kann. Ilisevic treibt das Interesse, wie weit sich seine Zeichen auflösen lassen. Der Künstler ist radikal in der Art, wie er die Auflösung vorantreibt aber auch in seiner Bereitschaft, visuell gesichertes Terrain zu verlassen und neue Möglichkeiten der Malerei auszuloten. Sein persönliches Erlebnis angesichts dieser visuellen Eindrücke übersetzt er in Zeichen, die nicht nur Verdichtungen des Erlebten sind, sondern immer auch ein Nachdenken über die Malerei selbst sind. Diese ist denn auch in Ilisevics Werken immer auch als «Hand-Werk» fühlbar. Lange Linien strukturieren die Farbgründe, kurze Pinselstriche verdichten sich zu wahren «Farbnestern». Die Bewegung der Hand wird unmittelbar fühlbar.
Die Zeichen erhalten durch die kräftig aufgetragene Farbe eine kühne Körperlichkeit, das Bild so mit rein malerischen Mitteln und ganz ohne Zentralperspektive eine subtile Räumlichkeit. Diese spricht nicht nur den Kopf an, sondern, wie der Ausstellungstitel unterschwellig ja auch verspricht, alle Sinne. Eckhard Froeschlin dagegen arbeitet strikt figural. Seine Bilder bestechen zunächst durch ihren samtigen Glanz, hervorgerufen durch die Pastellfarben, die der Künstler wie einst mittelalterliche Meister, in Handarbeit selber herstellt.
Froeschlins Werke als Pastellmalerei zu bezeichnen, greift allerdings zu kurz, denn er montiert seine Bilder aus verschiedenen ausgeschnittenen Bildelementen zusammen. So schweben die «Pappkameraden» in seinen Werken zwischen reiner Malerei und Relief in eigenartiger Zwischenstellung, getragen von der verführerischen Oberfläche und den brutal-harten Schnitten der Umrisse. Jegliche Illusion, hier einen Raum vor sich zu haben, wird radikal zerstört: Das hier will nichts anderes sein als ein Bild.
Alles ist immer im Fluss
Während der Künstler mit seinen Montagen die reine Malerei Richtung Raum erweitert, vollzieht er mit seinen Aluminiumfiguren mit der Malerei den Schritt in die Räumlichkeit. Dass es sich dabei um eine Erweiterung der Malerei handelt, zeigt sich darin, dass er zunächst das Blech bemalt und es anschliessend zu verformen beginnt. Arbeitet Ilisevic aus einem inneren Spannungsbogen heraus, kann Froeschlin seine Werke in der Ausstellung noch einmal fast vollständig abschleifen und umarbeiten. Wer die Kunsträume durchwandert, dem fällt noch eine Gemeinsamkeit auf: Beide Künstler setzen sich mit Wasser auseinander - Wasser als Kraft, die Gegenstände bewegt und anhäuft, wie beispielsweise - als Ausgangspunkt für Ilisevic Bilder - der Rhein Seegras anschwemmt oder auch ein Spiegel ist. Bei Froeschlin klingt das Leitmotiv der Überfahrt durch, als Thema des Lebens schlechthin. Denn Überfahrten bedeuten Aufbruch, Ankommen, Gelingen aber auch Scheitern und Untergang. Eindrücklich ist dies in seinem «Narrenfloss» veranschaulicht: Hier hat er sich, wie in vielen seinen Werken, mit Themen der Kunstgeschichte auseinandergesetzt, im genannten Beispiel mit dem «Floss der Medusa» (1891) von Théodore Géricault.
Die Ausstellung im Oxyd ist eine Ergänzung zu «Zeichen Zeigen», die bis zum 15. März im Städtischen Kunstmuseum Singen zu sehen ist. Zur Ausstellung dort sind auch zwei Kataloge zu den Künstlern erschienen, die eine ausgezeichnete Zusammenfassung ihres bisherigen Schaffens bieten und einen guten Einstieg in die Ausstellung im Oxyd darstellen.
CHRISTINA PEEGE, Der Landbote vom 4. März 2009