oxyd Kunsträume | Ausstellung | Nr. 33

22.8. – 21.9.2008

Carlo Domeniconi | Monika Gasser | Beatrice Maritz

«Lichtobjekte – Zeichnung – Malerei»

Vorschau Einladung

Zur Austellung

 

Mit Beatrice Maritz und Carlo Domeniconi sind eine Künstlerin und ein Künstler beteiligt, deren Schaffen schon vor einigen Jahren im oxyd zu sehen war. Erstmals in unserer Region zu sehen sind Arbeiten von Monika Gasser.
Die beiden Innerschweizerinnen verarbeiten in den Werken ihre ganz eigenen Geschichten. Aus Erinnerungen, Träumen, Ereignissen, Erlebnissen unabhängig von Zeit und Ort. Geschichten, die sie dann aber der eigenen Fantasie und Interpretation der Betrachterinnen und Betrachter überlassen.
Monika Gassers Lichtobjekte sind feine, transparente, bewegliche Schichten auf denen Bilder auf- und abtauchen. Je nach Licht oder Stimmung werden sie völlig unterschiedlich wahrgenommen. Die ausgestellten Zeichnungen von ihr sind für sie wie Zwischenhalte – skizzierte Momente.
Auch die Farbstiftzeichnungen von Beatrice Maritz sind Schicht für Schicht aufgetragen. Sie lässt sich durch das Pendel leiten und überraschen und es entstehen sehr präzise, dichte Bilder. Geometrische Formen und Figuren mischen sich zu einer in sich geschlossenen, eigenen Welt.
Vor einigen Jahren sagte Carlo Domeniconi, der bis dahin eher figurative Maler: «Es wäre mein Wunsch, mich zu lösen, vielleicht gelingt mir das in Zukunft …». Mit den neuen Arbeiten zeigt Carlo Domeniconi, dass er sich seinen Wunsch erfüllt hat. Auf seinen Bildern sind freie, lineare Gitterstrukturen. Die Durchblicke und das Überschneiden der unterschiedlich gemalten Linien ergeben eine beinahe unendliche Tiefe. Es sind seine neuen Energiefelder.

Pressestimmen

 

Die Kunst der Entschleunigung

Im Kulturverein Oxyd treffen drei Geschichtenerzähler aufeinander: Monika Gasser, Beatrice Maritz und Carlo Domeniconi. Sie versetzen den Betrachter in die Rolle eines Archäologen – er macht sich aus den Ge Schichten seinen Reim.
Geschichte kommt von Schicht. Wie sinnlich diese an sich triviale Etymologie umgesetzt werden kann, beweisen Monika Gasser, Beatrice Maritz und Carlo Domeniconi in der neuen Ausstellung mit Lichtobjekten, Zeichnungen und Malerei in der Werkhalle in Wülflingen.
Eine Entdeckung ist die Obwaldnerin Monika Gasser (* 1952 in Lungern), die abwechslungsweise in Luzern und Paris arbeitet. Anders als Maritz und Domeniconi ist sie zum ersten Mal im Oxyd zu Gast. Ihre Lichtobjekte sind ein subtiles Spiel mit Licht und Schatten. Beide bedingen sich in den Werken gegenseitig, beide umspielen sich und bringen sich gegenseitig zur Geltung. Das Licht wird nicht als Spot geführt, sondern als Mittel, das diese Objekte modelliert; es deutet mehr an, als dass es verdeutlicht.
Die zauberhafte Wirkung ist der eigenwilligen «Machart» der Werke geschuldet: Sie bestehen aus einer mit LED Leuchten bestückten Holzplatte und davorgehängten Bildträgern aus Cerex, einem feinen und transparenten Flies. Die Figuren, welche die Künstlerin zwischen die Fliesschichten hängt, bestehen aus Transparentpapier. Während vorne die Figuren und Gegenstände noch gut erkennbar sind, verschwimmen sie, je mehr Schichten darüberliegen. Gasser macht damit ihre ganz persönlichen Erinnerungen sichtbar, Erinnerungen an die Kindheit, an Reisen, Begegnungen, prägende Momente. Doch sind die Lichtobjekte keine Abbildungen, sondern freie Kompositionen von Versatzstücken aus der Erinnerung. Ihre Geschichten sind Umschichtungen, die je nach Beleuchtung in immer neuem Licht erscheinen. Je nachdem, wie der Betrachter daran herangeht, verändert sich die Wahrnehmung. Die Deutung, die Erkenntnis aus der «Schichtbeobachtung», überlässt die Künstlerin dem Betrachter. Den «Durchblick» muss er sich selber erarbeiten.
Während Gassers Werke Resultat einer bewussten Reflexion der Erinnerung sind, geht Beatrice Maritz (* 1962 in Muri) ganz andere Wege. Sie, die in einer Klause im Schächental lebt und arbeitet, überantwortet die Entstehung ihrer Bilder, der Formen und Farben, ganz dem Pendel. Sie lässt es über einem Zahlenkreis für die Grössen und Koordinaten kreisen, über dem Farbkreis für die Farben, über dem Alphabet für die Titel. Selbst wenn ein Werk fertig ist, ermittelt sie dies mit dem Pendel. Was also am Schluss entsteht, sind Zeichnungen von grosser Harmonie mit sehr präzisen Formen und Figuren Sie entstehen aus der Strahlenfühligkeit der Künstlerin.
Sie kontrolliert und manipuliert nicht, wie das bei Erinnerungen ja oft der Fall ist. Sie lässt sich vom Resultat überraschen, wie auch der Betrachter von den vielfältigen Assoziationen überrascht ist, die ihm beim Betrachten der feinen Werke vor dem inneren Auge aufsteigen.

Im Aufbruch
Für eine gewisse Überraschung sorgt der Schaffhauser Künstler Carlo Domeniconi. Er bespielt das Untergeschoss, ausschliesslich mit abstrakten Werken. Zwar hat der Maler, der bisher in erster Linie figürlich gemalt hat, auch in den vergangenen zehn bis 15 Jahren immer wieder mit abstrakten Elementen wie Streifen oder Linien gearbeitet. Doch in den vergangenen zwei Jahren hat sich die Abstraktion durchgesetzt. Beibehalten hat er dagegen seine Farbigkeit sowie die Grundfarben Schwarz und Weiss.
Domeniconi fokussiert auf wenige Grundelemente wie Streifen und Linien. Diese lässt er frei über die Bildfläche mäandern oder er komponiert sie in rechten Winkeln zu Gittern und schichtet sie übereinander, sodass Werke mit grosser räumlicher Tiefenwirkung entstehen. Die Anlehnung an die konkrete Kunst ist unübersehbar, auch an Werkgruppen des Glarner Künstlers Hanspeter Hofmann, der vor einigen Jahren ähnliche Bilder schuf, in denen er nur mit Schichtung von Linien und mit völligem Verzicht auf jegliche Zentralperspektive eine verblüffende Räumlichkeit erreichte. Während Domeniconi offensichtlich in einer Phase der Orientierung steckt, haben die beiden Künstlerinnen, die im Obergeschoss ideal nebeneinander die Räume bespielen, eine ganz authentische Bildsprache gefunden. Allen drei Künstlern ist jedoch die Fähigkeit eigen, Zeit fühlund sichtbar zu machen. Indem sich der Betrachter auf sie einlässt, bewegt er sich wider den reissenden Strom der Zeit. Versenkung statt mitschwimmen in der Bilderflut. Was für eine wunderbare Kunst der Entschleunigung.

 

CHRISTINA PEEGE, Der Landbote vom 4. September 2008